Baupläne für einen großen, stabilen Vorratsschrank.
Weil der Bau eines großen Schrankes meine kleine Werkstatt nur wenig überlastet, sollten es nun zwei Schränke gleichzeitig werden. Der eine als Vorratsschrank im Format eines dreitürigen Kleiderschranks, der andere für Spielzeug im Kinderzimmer mit nur zwei Türen. Stabil sollte es werden und einigermaßen schön aussehen ohne zu viel Arbeit zu machen.
Aus Effizienzgründen sollten beide Schränke aus praktisch identischen Bauteilen bestehen. Generell wollte ich versuchen möglichst wenig verschiedene Teile herstellen zu müssen, da ein Winter schnell vorbei ist. Das ist auch ganz gut gelungen. Trotzdem sehen die Schränke für meinen Geschack nicht nach Massenproduktion und Sparmaßnahmen aus.
Ziel bei der Stabilität war, dass der dreitürige Schrank vollständig mit Einkochgläsern befüllt werden kann ohne zu leiden. Rechnerisch kann der Schrank knapp 1000 Gläser beherbergen, was etwa einer Tonne Last entspricht. Mittelfüße sind schonmal Pflicht. Den Rest muss die Konstruktion regeln.
Natürlich sollten die Schränke auch zerlegbar sein, da der kleinere eine recht enge gewendelte Treppe hoch musste. Zerlegbarkeit ist ein ziemlich guter Garant für Klapprigkeit. Insbesondere die heute üblichen Exzenterverbinder taugen nicht viel. Die seit gut 100 Jahren üblichen metallischen Schrankschließen sind schon etwas besser. Noch besser war es vorher: hölzerne Schrankschließen mit Keilen. Habe noch einen alten Kleiderschrank, der diese Verbindungstechnik verwendet, also ein bisschen abgeschaut, nochmal im Spannagel nachgelesen und dann so umgesetzt. Zusammen mit ein paar Nuten, Schlitzen, Zapfen an den Verbindungsstellen der Einzelteile ist eine sehr stabile Gesamtkonstruktion entstanden. Die Schränke sind inzwischen in voller Nutzung und zeigen bisher keinerlei Verzug oder Durchbiegung.
Obwohl die Schränke von außen wie Kleiderschränke wirken, verbergen sich im Inneren in Summe etwa 40 Einlegeböden, die mittels Zahnleisten flexibel und stabil positioniert werden können.
Die beiden Schränke im Foto:
Das Holz ist im Wesentlichen selbst getrocknete Lärche, die ich vor Jahren im örtlichen Sägewerk aus einem Stamm in 65mm starke Bohlen habe sägen lassen. Nur die Zahnleisten und die Keilverbindungen sind aus Eiche, weil Lärche knapp war und Eiche ggf. etwas stabiler ist. In den beiden Schränken sind sieben 65mm-Bohlen mit 30 bis 60cm Breite und 350cm Länge verschwunden. Die Rückwände sind Kiefersperrholz. Die Einlegeböden sind Baumarkt-Fichtenleimholz.
Die Einzelteile zum Zusammenstecken (Sockel, Seiten, Deckel):
Oben in den Deckel wird noch eine Platte (Rahmen mit Füllung) lose eingelegt (nicht in der Zeichnung). Somit können die Stäbe mit den Keillöchern von oben eingesteckt werden. Auch bekommt der Schrank oben dadurch eine vollständig ebene Fläche, sodass man bequem Gerümpel (Kartons) darauf lagern.
Keil mit durchgestecktem Stab; der Stab hat einen "Pilzkopf" als Gegenstück zum Keil:
Auf Spannagels Rat sind die Türen aus zwei Schichten aufgebaut, einem Rahmen aus qualitativ mäßigem Holz, auf den eine Schicht gutes Holz aufgeleimt wurde. Dadurch bekommt man auch ohne Fräsen Anschläge für die Füllungen und den Aufschlag hin. Sehr empfehlenswert!
Für die Planung gab es einige Bleistiftskizzen, insbesondere für die Kränze an Sockel und Deckel (soll ja auch gut aussehen). Die Grundmaße sind Standard, also 60x60cm zwei- bzw. dreimal nebeneinander. Höhe um die 200cm. Am Computer wurde mit dem kostenfreien FreeCAD in 3D gezeichnet. Das hat viele schöne Features, von denen ich mir noch ein paar mehr als sonst zu Nutze gemacht habe. So kann ich die Türanzahl nun beliebig wählen und bekommen die Zeichnungen zum entsprechenden Schrank, je nach Bedarf auch mit nur einer Tür oder 10 Türen. Hintergrund ist, dass ich nicht alles doppelt zeichnen wollte für die beiden Schränke.
Hier die Pläne zum Nachbauen, Anpassen,...:
Zeichnungen als PDF-Datei gibt es diesmal nicht, da ich diese nur sehr schlampig erstellt habe. Nach Wochen der Planung war der Großteil der Teile fest in den Kopf eingebrannt und ich brauchte nur ein paar Zahlen und Kleinteile als Zeichnungen. Auch funktionierte der Wechsel der Türanzahl in den Zeichnungen nicht so gut, sodass da manchmal Murks gezeichnet wurde.
Für FreeCAD-Nutzer: Gezeichnet wurde mit Version 1.0.2. Alle Teile sind in einer Datei und wurden ohne Assembly-Workbench nur via Links und Positionierung zusammengebaut.
Das Schrankmodell ist vollständig parametrisiert. Man kann also Höhe, Breite, Tiefe, Holzstärken, Türanzahl, Abstand der Einlegeböden,... vorgeben und FreeCAD generiert den passenden Schrank dazu.
Nicht in den Zeichnungen enthalten sind die Halteleisten für die Türfüllungen und die Türknöpfe. In den Zeichnungen sind mehr Mittelfüße enthalten als ich dann letztlich gebaut habe. Die Sockelkonstruktion machte einen deutlich stabileren Eindruck als erwartet, sodass ich aus Zeit- und Optikgründen beim Zweitürer gar keinen Mittelfuß und beim Dreitürer nur einen umgesetzt habe.
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